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Cybermobbing


Mobbing in der Schulklasse

Was ist Mobbing?

In der englischsprachigen und in der wissenschaftlichen Literatur: Bullying. Darunter soll in Anlehnung an den Verhaltensforscher Konrad Lorenz, der diesen Begriff geprägt hat, die Ausgrenzung, die Aggression, die Isolation eines Einzelnen durch mehrere bezeichnet werden, die über einen längeren Zeitraum anhält – also z.B. nicht die kurzzeitige Ablehnung eines Gruppenmitgliedes und auch nicht der Konflikt zwischen zwei Schülern. Erst wenn mehrere ständig und lange gegen einen Einzelnen gehen, ihn körperlich oder auch nur psychisch angreifen, ihn hänseln, ihm Streiche spielen, ihn ausschließen, erst dann soll von Mobbing gesprochen werden.
Damit wird die Grundlage für Mobbing am Arbeitsplatz oder Diskriminierung in der Gesellschaft gelegt, deren frühe Wurzeln in der Schulzeit (bisweilen sogar schon im Kindergarten) kaum jemandem bekannt sind.

Mobbing wird von den Lehrkräften der weiterführenden Schulen oft nicht erkannt, weil sie nichts von dem Ausmaß und der Häufigkeit erfahren. Denn vieles findet in den Pausen und Zwischenstunden statt, auf den Wegen zur Schule und innerhalb der Schule. Vereinzelte Hänseleien sind im Prinzip nicht tragisch, aber wenn sie ausufernd werden und lange anhaltend immer wieder bestimmte Kinder und Jugendliche betreffen, werden sie peinigend und sind schwer auszuhalten. Da Lehrkräfte im Allgemeinen nur ab und zu den Spott wahrnehmen, können sie die große Belastung für die Betroffenen nicht bemerken. Noch schwieriger ist es, von außen Isolation und Nichtachtung zu erkennen, deren Folgen jedoch genauso schlimm wie Angriffe auf die Person sein können.

Mobbing in der Schulklasse wird auch häufig nicht wahrgenommen, weil Kinder und Jugendliche, die durch ihre absonderlichen Verhaltensweisen ihre Ausgrenzung selbst verschuldet zu haben scheinen, nicht als Opfer aufgefasst werden. Vielmehr geschieht ihnen nach Ansicht von Mitschülern wie Lehrkräften sogar recht: Warum müssen sie sich auch so unsinnig verhalten?


Prädestinierte Opfertypen?

In Wirklichkeit handelt es sich dabei meist um Abwehrreaktionen der Opfer. Sie prahlen (wie andere auch), um endlich Anerkennung zu erhalten. „Unerträgliche Angeber“ werden sie dann genannt. Sie suchen Kontakt zu Klassenmitgliedern oder – wenn sie ständig Zurückweisung erfahren – zu Lehrkräften, mit der Folge, dass sie als „Schleimer“ bezeichnet und erst recht attackiert werden. Oder sie spielen den Clown, um Aufmerksamkeit zu erringen („wie lächerlich!“), oder verteidigen sich heftig gegen Aggressionen. Dann werden sie als unsozial oder Choleriker gebrandmarkt, mit denen niemand etwas zu tun haben möchte. Manche flüchten auch, innerlich (Sie geben fast nichts mehr von sich preis = „Mauerblümchen“.) oder täuschen Krankheiten vor und bleiben zu Hause („Schwänzer“), weil sie den täglichen Psychoterror nicht mehr aushalten.


Ungeeignete Maßnahmen

Selbst wenn Lehrkräfte Mobbing wirklich erkennen, fällt es ihnen sehr schwer etwas dagegen zu unternehmen. Denn die Bestrafung der Täter wird oft von der ganzen Klasse als ungerecht empfunden, weil man sicher ist, die Opfer seien gar keine, sondern hätten sich ihre Behandlung selbst zuzuschreiben. Deshalb wird die gut gemeinte Maßnahme des Lehrers, der Lehrerin als ungerecht und willkürlich empfunden. Außerdem wird durch Strafe kein Einfühlen in das Opfer und damit kein Wandel der Einstellung hervorgerufen, dafür aber häufig von den Tätern subtilere Methoden des Mobbing angewandt, die so leicht nicht nachzuweisen sind. Auch das direkte Ansprechen in der Klasse führt meist zu keinem positiven Ergebnis. Die meisten Kinder und Jugendliche lassen die Lehrkräfte auflaufen: „Das war doch nur Spaß!“ „Der ist selber schuld!“ „Die ist so empfindlich!“ Dahinter steckt, dass die Mehrheit der Klasse keine Veränderung in der internen Hierarchie will. Die Gruppenführer fühlen sich in einer guten Position und die Mitläufer und „Zuschauer“ wollen ihren Spaß haben und sind froh, dass sie nicht ausgegrenzt werden. Infolgedessen sich die Lehrkräfte hilflos und die Mobbing-Opfer verlieren alle Hoffnung.
Im Übrigen hat fast niemand ein schlechtes Gewissen. „Dissen“ (in der Jugendsprache) ist unter Kindern und Jugendlichen eine anerkannte Verhaltensweise und wird auch in den Nachmittagssendungen des Fernsehens häufig zur Unterhaltung der Zuschauer gezeigt .


Geeignete Maßnahmen

Es reicht nicht aus, auf der kognitiven Ebene zu bleiben (wie bei Appellen an das Gewissen oder schriftlichen Verträgen zwischen den Schülerinnen und Schülern: „Ich verpflichte mich, niemanden zu mobben“), sondern es müssen auch die emotionale Ebene (Empathie) und die Handlungsebene einbezogen werden.

Als geeignete (und erprobte) Verfahren stelle ich vor:

  • Diagnostik des Mobbing (Gespräch, Beobachtung, Fragebogen, Soziogramm
  • Gespräch mit dem Mobbing-Opfer (im Sinne von Coaching)
  • verdeckte Interventionen, um dem Mobbing-Opfer aus seiner Position zu helfen
  • soziales Lernen für die ganze Klasse in drei Stufen:
  1. verfremdeter Einstieg mit Hilfe von Jugendliteratur und der Methode „Szenisches Spiel“ nach I. Scheller in das Thema
  2. näher an die Einzelnen heran (mit Vermittlung der Mobbingtheorie)
  3. aktuelle Situation in der Klasse (jetzt andere Ausgangslage als beim unvermittelten Ansprechen!)
  • Mitschüler helfen Mobbing-Opfern
  • Möglichkeiten der Mobbing-Prävention (u. a. „Selbstbild/Fremdbild“ und „Talk-show“